Lust verkürzt den Weg

William Shakespeare

Endlich ist es soweit. Meine neuen Laufschuhe sind angekommen und müssen natürlich sofort ausprobiert werden. Aber zuerst einmal, warum brauche ich neue Laufschuhe? Sind meine Alten durchgelaufen? Nein, das sind sie nicht. Ich habe aktuell 2 Paar Trailrunningschuhe. Zum einen ein Salomon Speedcross 5. Dieser zeichnet sich durch seinen Grip auf Waldwegen, Singletrails und feuchten Untergründen aus. Da dieser Schuh ein sehr direktes und feines Gefühl für den Untergrund bietet, ich jedoch sehr viel auf Waldwegen aus Schotter laufe, beginnen mir nach etwa 20 km die Füße zu schmerzen. Dieser Schuh und meine Füße, passen nur, bis Distanzen von etwa 20 km zusammen.

Mein zweites Paar Trailrunningschuhe sind ein Paar Asics Futjitrabuco 8 GTX. Diese Schuhe sind durch die Gore-Tex Membran (GTX) Wasserfest und können sehr gut bei Regen gelaufen werden. Auf unseren Schotterpisten schaffe ich damit gute 30 km, bis ebenfalls Schmerzen kommen. Ich brauche also etwas für echte Langdistanzen damit die Schmerzen und das Thema Blasen endlich ein Ende haben.

Meine Wahl für ein Paar neue Trailrunningschuhe für Langdistanzen fiel auf den Hoka One Speedgoat 4. Da eine meiner Lieblingsfarben orange ist, und der Schuh in dieser Farbe angeboten wird, ist meine Entscheidung sehr schnell gefallen. Orange muss her.

Nach 2 Tagen Lieferzeit ist er nun angekommen. Die Verpackung ist etwas anders als ein normaler Schuhkarton. Die vordere linke Ecke ist nach unten gewandert. Hat keinerlei Funktion, sieht aber gut aus. Die Schuhe machen einen Qualitativ hochwertigen Eindruck. Alles ist sauber verarbeitet. Beim näheren Betrachten kann man erkennen, dass der Kleber mit dem das Obermaterial an die Sohle geklebt wurde, tatsächlich überall bis an die Kante gelaufen ist. Es sind keinerlei Lücken zwischen Obermaterial und Sohle zu entdecken.

Hoka One One

Hoka One One ist ein französischer Sportschuh Hersteller, der zu Beginn seines Markteintritts, durch sehr dicke Sohlen auf sich aufmerksam machte. Gerade 2009, als Hoka One One in Annecy, Frankreich, durch Nicolas Mermoud und Jean-Luc Diard gegründet wurde, war eine Zeit, in der minimalistische Schuhe angesagt waren. Da Hoka One One Schuhe durch eine sehr dicke Mittelsohle, maximale Dämpfung bieten, wurden das Modell von Ultramarathonläufern sehr gerne getragen. Auch wenn Hoka One One Schuhe, durch die dicke Sohle aussehen, als wären sie schwer, sind sie gerade das Gegenteil. Die Schuhe zeichnen sich durch ein unglaublich gutes Verhältnis von Gewicht zu Dämpfung aus. Entsprechend wurden immer mehr Läufer auf die Modelle aufmerksam. Im Jahr 2013 wurde Hoka One One von Deckers Brands gekauft. Heute laufen mehrere Weltklasseathleten wie die Langdistanzathleten Karl (Speed Greatest of all time) Meltzer, David McNamee und seit März 2013 auch Jan Frodeno, in Hoka One One Schuhen.

Carl Meltzer

Karl Meltzer, genannt Speedgoat Karl, ist ein 53 Jahre alter (1967) Ultraläufer und Ultraleichtlauftrainer aus Sandy, Utah. Meltzer hat mehr 100-Meilen-Ultramarathons gewonnen als jeder andere Ultramarathonläufer und hält Geschwindigkeitsrekorde auf den wichtigsten US-Strecken, darunter der Appalachian Trail und der Pony Express Trail. Am 18. September 2016 stellte Meltzer einen Appalachian Trail Rekord auf, indem er die 2.190 Meilen (3524 km) über 14 Staaten in 45 Tagen, 22 Stunden und 38 Minuten zurücklegte. Meltzer ist der Ausrichter des Speedgoat 50k Rennens. Seit 2008 ein Wettkampf über 50 Kilometer Distanz und 4531 Höhenmetern. Karl Spitzname ist das Kofferwort „Speedgoat“. Dabei steht „Speed“ für seine Geschwindigkeit und „Goat“ für „Greatest of all time“ und damit für die Menge an Langdistanzrekorden, die er erwarb. In einer Zusammenarbeit zwischen Karl Meltzer und Hoka One One wurde einer der besten Trailrunningschuhe für Langdistanzen entwickelt, der Hoka One One Speedgoat. Aktuell in der Version 4 erhältlich.

Das Obermaterial ist am Übergang zur Sohle mit einer transparenten Schicht umgeben. Diese sorgt für Schutz vor kleinen Steinen und vor nassen Füßen, wenn man durch feuchtes Gras läuft. Damit die Füße nass werden, benötigt es schon Wasser, welches von oben auf die Zehen-Box gerät. Wie z. B. bei nassem hohem Grase, nassem Gebüsch, tiefen Pfützen oder eben Regen.

Die Sohle ist, wie bei vielen Schuhen dieser Art, vom italienischen Sohlenspezialisten Vibram. Die Sohle des Speedgoat 4 besteht aus drei Teilen. Einem schwarzen Teil in der Mitte des Schuhes unter dem Mittelfuß. Dieser Sohlenteil ist der härteste Teil der Sohle. Hiermit erzeugt der Schuh einen guten Grip auf festem Untergrund. An den Seiten , um die ganze Sohle herum, ist eine rotes Material von Vibram verarbeitet. Sie ist deutlich weicher als der schwarze Teil der Sohle. Mit dem roten Teil an den Seiten erzielt der Schuh einen guten Grip wenn der Untergrund nicht eben ist.

Das Highlight der Sohle sind jedoch die orangenen Teile zwischen den roten und schwarzen Elementen. Dieser orangene Teil ist das Material der dicken Zwischensohle. Dieser Schaum ist angenehm weich, lässt sich einfach eindrücken und federt jedoch sehr stark in seine Ursprungsform zurück. Die Schottersteine auf meinen Laufwegen drücken von unten in die Sohle, welche durch den orangenen Schaum nachgibt, der Schotter versinkt quasi in der Sohle. Sobald der Fuß angehoben wird, federt der Schaum zurück und gibt seine Energie in den Fuß. Diesen Effekt kann man auf Schotterwegen deutlich spüren.

Noch deutlicher spürt man beim Laufen mit dem Speedgoat 4 jedoch die Rockersohle. Diese „krumme“ Sohle macht den Schuh unglaublich dynamisch. Der Schuh will fast von allein laufen. Sobald man das Gewicht auf dem Fuß etwas nach vorne verlagert, geht der Schuh von allein in eine Abrollbewegung.

Neben der Sohle machen auch die Schnürsenkel einen sehr guten Eindruck. Sie sind sehr fein, aber fest gewebt. Beim Zuziehen zieht man die Senkel etwas in die Länge, das ist hilfreich für eine feste Schleife, jedoch nicht so viel, dass sie ganz dünn werden, was wiederum nicht hilfreich für eine feste Schnürung ist. Der Hoka One One Speedgoat 4 hat am oberen Schnürungsende das berühmte zweite Loch für die Marathonschnürung. Damit sollte die Schnürung also lange Distanzen schaffen, ohne ständig nachgeschnürt zu werden.

Rockersohle

Die gebogene Sohlenform von modernen Laufschuhen nennt sich „Rockersohle“. Dabei ist die Sohle an der Ferse und an den Zehenspitzen nach oben gezogen. Es entsteht eine Schaukelstuhlform der Sohle. Und genau dieser Schaukelstuhleffekt kommt dem Läufer entgegen. Schuhe mit einer Rockersohle rollen allein durch Gewichtsverlagerung nach vorne ab. Dieser „eingebaute“ Abrolleffekt macht Schuhe mit einer Rockersohle sehr dynamisch. Erste Studien scheinen zu belegen dass, eine Mittelsohle mit Verstärkung aus Carbon, Sohlenbauart nach Rockerprinzip sowie der richtige Mittelsohlenschaum, dem Läufer hilft energieeffizienter zu laufen. Mit solchen Schuhen läuft man „schneller“ und „länger“. Der Asics Metaride ist ein sehr ausgeprägtes Modell dieser Machart.

Wohl denn, auf gehts. Schuhe an und los. Beim Anziehen fühlt sich der Schuh direkt sehr komfortabel an, man hat das Gefühl von Qualität, wie man es von Top-Modellen erwartet. Sobald man jedoch im Schuh steht und die ersten Schritte macht, spürt man einen kaum zu erwartendem Komfort, gepaart mit einer für Trailrunningschuhe sehr ausgeprägten Dämpfung. Auf der Strecke macht der Schuh einfach nur Spaß. Dynamisches Laufen mit, für Trailrunningsschuhe, unglaublichem Komfort. Der Schuh lässt ein Gefühl für den Untergrund, gleicht jedoch unglaublich viel Unebenheiten aus. Der Speedgoat bietet im Trail mehr Dämpfung als so mancher Straßenlaufschuh. Auch das Gewicht des Speedgoat 4 ist mit 323 Gramm im Mittelfeld gelagert, sodass man nicht das Gefühl hat schwere Steinklumpen an den Füssen zu tragen. Da die Sohle des Speedgoat 4 auch Asphalt gut verträgt, wird der Schuh zum absoluten Allrounder. Von Einsteiger bis zum Ultraläufer, einfach eine Top-Wahl.

N
Mein Fazit
Mein Fazit ist recht einfach: Ich hatte noch nie so geile Schuhe an den Füssen wie mit dem Speedgoat 4. So viel Komfort und Dämpfung, so viel Grip von Asphalt bis Singletrail, hatte ich noch nie. Und vor allem, ich bin noch nie nach 30 km ohne schmerzende Füße nach Hause gekommen. Ich finde, besser gehts nicht mehr.
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