Gut Ding will Weile haben

Wer rastet, rostet

Mein letzter Post ist ja schon eine ganze Weile her. Am 31.08.20 schrieb ich über die Fähigkeit, dass Aufgeben nur in Ausnahmefällen eine Option sein sollte. Unser Wille zum Durchhalten ist eine Fähigkeit, die wir benötigen, um unsere Ziele zu erreichen. In diesem Post vom August erzählte ich von einer Achillessehenreizung die ich mir durch Laufen und exzessives Seilspringen zugezogen hatte. Die kam mir nun ziemlich ungelegen, da ich vorhatte, das Seilspringen in diesem Winter zu forcieren und zu meiner Hauptsportart zu machen. So der Plan. Da es kontraproduktiv für eine Heilung ist, wenn ich mit einer nicht vollkommen auskurierten Sehne wieder beginne, Seil zu springen, entschloss ich mich, meine Achillessehne zuerst vollkommen auszukurieren und erst dann wieder mit Laufen und Seilspringen zu beginnen.

Einige Recherchen im Internet bestätigten mich in diesem Vorhaben, weil ich viel darüber lass, dass Entzündungen der Achillessehne sehr schnell chronisch werden können, woraus dann leicht Sehnenrisse resultieren. Meine Entscheidung stand also fest:

  1. Jeglichen Sport einstellen
  2. Belastung der Achillessehne vermeiden wo irgend möglich (z. B. : Anzahl Schritte reduzieren)
  3. Sehne mit Kinesiotape behandeln
  4. Sehnenentzündung vollkommen ausheilen
  5. erst dann wieder Sport beginnen

Zum Zeitpunkt dieser Entscheidung glaubte ich, dass es mir auch mal guttun wird, eine Zeit lang auf Sport zu verzichten. Mit dieser Einschätzung lag ich jedoch vollkommen daneben.

Ja, ich muss zugeben, dass in den ersten beiden Wochen ohne Sport mich mein Gewissen plagte, nichts für meine Gesundheit zu tun. Da ich aber ja nun mal weiß, dass Sport nicht das Einzige ist was ich für meine Gesundheit tue, ich die anderen Maßnahmen, wie z. B. Ernährung, aber nicht runtergefahren hatte, war dieses schlechte Gewissen einfach erträglich für mich. Leider hatte ich nicht auf dem Schirm, wie langsam eine Sehne heilt. Nach 4 Wochen meiner Sport-Abstinenz stellte ich fest, dass ich insgesamt etwas Träger wurde in meinem körperlichen Empfinden. Morgens in der Frühe nach dem Aufstehen fühlten sich die Gelenke deutlich „rostiger“ an als zuvor. Nach 2 Monaten ohne Sport bemerkte ich, dass ich immer öfter außer Atem bin. Und das nicht nur beim Treppensteigen. Mein kompletter Tagesablauf hat mich deutlich spürbar mehr belastet als zuvor.

Zu einem Schlüsselerlebnis für mich wurde es, als ich ein wichtiges Telefonat führte. Ich telefoniere vorwiegend im Stehen. Dabei bewege ich mich im Rau durch hin- und her gehen. Ich kompensiere damit aufkommende Gefühle, indem ich diese in Bewegungsenergie umwandele. Meinen Gefühlszustand in Telefongespräch kann man sehr gut an meiner Geh-Geschwindigkeit erkennen. Das mache ich nun schon seit vielen Jahren so. Nun jedoch merkte ich, dass mich das Gehen und gleichzeitige Reden in Atemnot versetzte.

Hauptsache bunt

Diese Atemnot durch ein Telefongespräch fühlte sich an, als ob ich 90 Jahre alt wäre. Ich habe nach dem Telefongespräch noch im Wohnzimmer auf dem Teppich 10 Liegestütze gemacht und war vollkommen außer Atem. Ich war froh, wenigstens noch 10 Liegestütze geschafft zu haben.

Der Formverlust, der sich in 2 Monaten ohne Sport eingestellt hat, ist enorm. Dabei verliert der Körper nicht nur Muskelmasse, auch das Kardiologische-System verliert seine Leistungsfähigkeit in hohem Maße. Von diesem Formverlust hören wir immer wieder in den Medien im Zusammenhang mit Hochleistungssportlern. Als Breitensportler merkt man auch noch einen Formverlust, dieser ist jedoch immer gut kompensierbar. Ich musste nun feststellen, dass man mit nur noch 22 % Herzleistung einen Formverlust des Kardiologischen-Systems sehr deutlich in seinem kompletten Wohlbefinden spürt. 2 Monate ohne Sport haben mich spürbar altern lassen.
Nach Rücksprache mit meiner Ärztin habe ich sofort wieder mit Sport begonnen, jedoch nicht mit Laufen oder Seilspringen. Die Sehne ist noch immer getapet, die Sehne wird noch immer entlastet, wo möglich. Ich richte meine sportlichen Einheiten an einer möglichst geringen Belastung der Achillessehne aus. Folgende Aktivitäten führe ich nun durch:

  • Yoga (inklusive leichten Dehnungen der Achillessehne)
  • Radfahren
  • Krafttraining
  • Boxen (ohne Beinarbeit)
Kaminfeuer, veganer Zitronenkuchen und kein Sport ... so geht wohl Erholung.

Nach nun 8 Tagen Wiederaufnahme des Trainings merke ich schon, wie der Körper positiv auf den Sport reagiert. Die Kurzatmigkeit ist noch immer vorhanden, jedoch lässt sie zunehmend nach. Der Körper „erinnert“ sich an den früheren Zustand und baut spürbar schnell wieder auf das frühere Niveau auf. Laut Trainingslehre braucht der Körper nun etwa 10 Wochen, bis er das Ausgangsniveau wieder erreicht hat. Wie immer ist hier wieder ein „Zurückkämpfen“ gefragt. Aber daran bin ich ja gewöhnt. Zurückkämpfen ist ja mein zweiter Vornahme.

Die wichtige Erkenntnis aus dieser Zeit ist für mich jedoch, wie schnell und wie stark der Körper ohne die sportliche Aktivität abbaut. Wie schnell die Herzerkrankung meinen täglichen Lebensablauf negativ beeinflusst. Wie viel stärker die Erkrankung im täglichen Leben zum Vorschein kommt und wie wenig Reserven ein kranker Körper bietet. Das führt mich wieder zu dem Punkt, dass unser Wohlbefinden von unseren Aktivitäten innerhalb der drei Säulen Sport, Ernährung und innerer Haltung abhängig sind.

Wer krank ist und noch keinen Sport macht, sollte so schnell wie möglich damit anfangen. Dabei sollten wir uns noch vor Augen halten, dass mit „Sport“ nicht Leistungssport gemeint ist, wie ihn ein Gesunder durchführen kann. Sport ist Bewegung. Ein gesunder Mensch wird ganz normales Gehen nicht als Sport bezeichnen. Für so manchen kranken Menschen ist Gehen sehr wohl eine sportliche Aktivität.
Die letzten 8 Wochen habe mir mal wieder gezeigt, auf dem Sofa werde ich nicht gesünder

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